CO2-Preis 2027: Was Heizen und Tanken kosten

Der CO2-Preis 2027 bleibt in Deutschland im Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne und damit auf dem Niveau von 2026. Grund ist die Verschiebung des europäischen Emissionshandels für Gebäude und Verkehr (EU-ETS 2) auf den 1. Januar 2028. Bis Ende 2027 gilt weiter das nationale Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG). Für Heizöl bedeutet der Höchstwert von 65 Euro einen Aufschlag von rund 20,7 Cent pro Liter, für Erdgas rund 1,41 Cent pro Kilowattstunde, jeweils brutto. Der größere Sprung droht erst ab 2028, wenn der Preis am Markt entsteht.

CO2-Preis 2027: Korridor von 55 bis 65 Euro

Für 2027 gilt dieselbe Spanne wie 2026: mindestens 55, höchstens 65 Euro pro Tonne CO2. Der Bundestag beriet im September 2026 die BEHG-Novelle, die diesen Korridor für 2027 gesetzlich verankern soll (Drucksache 21/7869). Eine zusätzliche Belastung gegenüber 2026 ist damit nicht vorgesehen.

Ohne die Verschiebung des ETS 2 wäre der Preis bereits 2027 an den europäischen Handel gekoppelt worden. Erwartet worden war dann ein Sprung auf etwa 75 bis 85 Euro pro Tonne.

Eine Hintertür nach oben gibt es dennoch. Für 2027 ist ein Überschussmengenpreis von 73 Euro pro Tonne festgelegt. Wird er bei den Auktionen erreicht, steigt der Aufschlag auf Heizöl auf rund 23,2 Cent pro Liter brutto.

CO2-Preis 2026: Auktionen am oberen Rand

Seit 2021 steigt der nationale CO2-Preis in Stufen. 2021 lag er bei 25 Euro, 2022 und 2023 bei 30 Euro, 2024 bei 45 Euro und 2025 bei 55 Euro als Festpreis. 2026 gilt erstmals ein Korridor von 55 bis 65 Euro, ermittelt über Auktionen an der Energiebörse EEX.

Diese Auktionen erzielten 2026 durchgehend den Höchstpreis von 65 Euro pro Tonne. Die Nachfrage überstieg das Angebot deutlich. Für den Fall, dass sie den Korridor sprengt, war auch für 2026 ein Überschussmengenpreis von 73 Euro vorgesehen.

Jahr CO2-Preis pro Tonne System
2021 25 Euro BEHG, Festpreis
2022 und 2023 30 Euro BEHG, Festpreis
2024 45 Euro BEHG, Festpreis
2025 55 Euro BEHG, Festpreis
2026 55 bis 65 Euro BEHG, Preiskorridor
2027 55 bis 65 Euro BEHG, Preiskorridor
ab 2028 Marktpreis EU-ETS 2

CO2-Preis 2027 bei Heizöl und Gas

Heizöl wird pro Einheit stärker belastet als Erdgas. Der Emissionsfaktor liegt bei 2,676 Kilogramm CO2 pro Liter Heizöl, bei Erdgas sind es 0,182 Kilogramm pro Kilowattstunde. Umgerechnet ist der Wert für Heizöl damit rund 47 Prozent höher.

Bei 65 Euro pro Tonne beträgt der Aufschlag 2027 rund 20,7 Cent pro Liter Heizöl, bei 55 Euro rund 17,5 Cent, jeweils inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer. Bei Erdgas sind es 1,41 Cent pro Kilowattstunde bei 65 Euro und 1,19 Cent bei 55 Euro.

Für einen Haushalt ergeben sich daraus spürbare Summen. Wer 20.000 Kilowattstunden Gas im Jahr verbraucht, zahlt 2027 beim Höchstpreis rund 282 Euro allein für den CO2-Aufschlag, davon 236,60 Euro netto. Ein Haushalt mit 2.000 Litern Heizöl kommt auf rund 414 Euro brutto.

Beim Befüllen des Heizöltanks fällt die Belastung auf einen Schlag an. Eine Füllung mit 3.000 Litern enthält beim Preis von 65 Euro rund 517 Euro reine CO2-Kosten, gerechnet mit 17,22 Cent pro Liter netto. Gegenüber 2024 bedeutet das für einen solchen Haushalt rund 159 Euro Mehrbelastung pro Jahr.

CO2-Steuer 2027 bei Diesel und Benzin

Auch an der Zapfsäule wirkt der CO2-Preis. Diesel setzt beim Verbrennen etwa 2,65 Kilogramm CO2 pro Liter frei, Benzin etwa 2,37 Kilogramm. Diesel wird daher etwas stärker belastet.

Eine Tankfüllung von 50 Litern Diesel enthält 2027 beim Preis von 65 Euro pro Tonne rund 8,60 Euro CO2-Kosten, gerechnet ohne Mehrwertsteuer. Solange der BEHG-Korridor gilt, bleibt dieser Betrag nach oben begrenzt. Im ETS 2 ab 2028 fällt dieser Deckel weg, der Aufschlag auf Kraftstoffe kann dann bei hoher Nachfrage deutlich über das Niveau von 65 Euro steigen.

CO2-Preis 2028: Wie der Systemwechsel funktioniert

Ab dem 1. Januar 2028 ersetzt der EU-ETS 2 das nationale BEHG. Er erfasst europaweit fossile Brennstoffe für Gebäude, also Heizöl und Erdgas, sowie den Straßenverkehr mit Benzin und Diesel. Der Preis wird dann an der EEX über Angebot und Nachfrage ermittelt, einen gesetzlichen Preiskorridor gibt es nicht mehr.

Zwar beginnen bereits im Januar 2027 Frühauktionen für ETS-2-Zertifikate. Die erste Abgabepflicht für Unternehmen, die Brennstoffe in Verkehr bringen, entsteht aber erst für das Berichtsjahr 2028 und ist zum 31. Mai 2029 fällig. Berichte über einen ETS-2-Start schon 2027 sind daher irreführend.

Ganz ohne Bremse läuft der Markt nicht. Eine Marktstabilitätsreserve soll extreme Ausschläge dämpfen: Fällt der Preis unter 45 Euro, werden Zertifikate aus dem Markt genommen, steigt er über 80 Euro, werden zusätzliche freigegeben. Gleichzeitig sinkt die Gesamtmenge der Zertifikate jedes Jahr nach einem von der EU-Kommission festgelegten Faktor, was den Preis strukturell nach oben treibt.

CO2-Preis 2027 Prognose: Was bis 2030 erwartet wird

Die Prognosen für die Zeit nach dem BEHG liegen deutlich über 65 Euro. Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) erwartet für 2028 rund 95 Euro pro Tonne und bis 2030 bis zu 125 Euro. BloombergNEF rechnet für 2030 mit durchschnittlich 122 Euro und für die Periode 2027 bis 2030 mit 99 Euro.

Agora Energiewende, DIW und Öko-Institut halten für 2030 eine Spanne von 80 bis 120 Euro für wahrscheinlich, allerdings mit hoher Schwankungsbreite. Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln schätzt die Vermeidungskosten im Gebäude- und Verkehrssektor bis 2030 auf bis zu 300 Euro pro Tonne. Die Helaba erwartet durch den ETS 2 eine Verdoppelung bis Vervierfachung der CO2-Preise und einen Inflationseffekt von 0,5 bis 1,7 Prozentpunkten bis 2030.

Was das für Verbraucher heißt, zeigt eine Beispielrechnung für verschiedene Preisniveaus:

CO2-Preis pro Tonne Heizöl pro Liter Erdgas pro kWh
55 Euro (Untergrenze 2027) rund 17,5 Cent brutto rund 1,19 Cent brutto
65 Euro (Obergrenze 2027) rund 20,7 Cent brutto rund 1,41 Cent brutto
100 Euro (mittlere Prognose 2030) rund 26,5 Cent netto rund 2,2 Cent brutto
125 Euro (FÖS-Prognose 2030) rund 33 Cent netto rund 2,7 Cent brutto
200 Euro (hohes Szenario) rund 53 Cent netto keine Angabe

Bei 100 Euro pro Tonne kostete eine Heizöl-Füllung von 3.000 Litern rund 795 Euro an reinen CO2-Kosten. Im hohen Szenario mit 200 Euro läge der Aufschlag bei rund 53 Cent pro Liter netto, für dieselbe Füllung also bei rund 1.590 Euro.

Gas oder Wärmepumpe: Was ist billiger?

Laut Heizspiegel 2026 von co2online kostete das Heizen eines Einfamilienhauses mit 130 Quadratmetern im Jahr 2025 mit Wärmepumpe 1.260 Euro, mit Gas 2.040 Euro und mit Heizöl 2.145 Euro. Der Abstand beträgt bis zu 885 Euro im Jahr. Holzpellets lagen 2025 bei 1.700 Euro.

Eine Vergleichsrechnung für ein Haus mit 20.000 Kilowattstunden Heizwärmebedarf kommt 2026 auf rund 2.914 Euro Betriebskosten für eine Gasheizung und 1.549 Euro für eine Wärmepumpe mit Jahresarbeitszahl 3,5. Die Ersparnis liegt bei rund 1.365 Euro pro Jahr.

Grundlage sind Preise des BDEW vom April 2026: Haushaltsstrom kostet im Schnitt 37,0 Cent pro Kilowattstunde, Wärmepumpenstrom rund 25 Cent. Erdgas liegt im Einfamilienhaus bei 11,10 Cent, Heizöl bei 9,8 Cent, jeweils zuzüglich CO2-Abgabe. co2online erwartet, dass sich die Kosten fossiler Heizungen in den nächsten 20 Jahren verdoppeln bis verdreifachen.

Was 2027 auf Hausbesitzer zukommt

Neben dem CO2-Preis beschäftigt Eigentümer das Heizungsrecht. Nach einem Bundestagsbeschluss vom Mai 2026 greift die Pflicht, beim Heizungstausch 65 Prozent erneuerbare Energien zu nutzen, frühestens ab dem 1. November 2026. Das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) könnte diese Regel noch abschaffen.

Gilt die 65-Prozent-Vorgabe, erfüllt eine reine Gasheizung sie nicht. Möglich bleibt sie nur als Hybridlösung, etwa mit kleiner Wärmepumpe oder Solarthermie, oder mit teurem Biomethan.

Auch die Förderung spricht gegen Gas. Für neue Gasheizungen gibt es 2026 keine staatliche Förderung mehr. Wärmepumpen werden über das KfW-Programm 458 mit bis zu 70 Prozent bezuschusst, bestehend aus 30 Prozent Grundförderung plus Geschwindigkeits- und Effizienzbonus. Nach Abzug einer durchschnittlichen Förderung von 55 Prozent kostet eine Luft-Wasser-Wärmepumpe 11.250 bis 14.400 Euro, eine neue Gasheizung ohne Förderung 9.000 bis 13.000 Euro.

In Mietwohnungen wird der CO2-Preis auch 2027 nach dem Stufenmodell des Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetzes geteilt. Je schlechter die Energieeffizienz des Gebäudes, desto größer ist der Anteil des Vermieters.

Wie es weitergeht: Klimageld und Sozialfonds

Das im Koalitionsvertrag 2021 versprochene Klimageld, eine Rückzahlung der CO2-Einnahmen pro Kopf, wurde bis Oktober 2026 nicht ausgezahlt. Der angekündigte Auszahlungsweg ist nicht umgesetzt, ein Beschluss über eine Auszahlung ab 2027 oder 2028 steht aus. Finanztip schätzt den möglichen Betrag auf 100 bis 250 Euro pro Person und Jahr.

Auf europäischer Ebene soll ab 2028 der Klima-Sozialfonds mit rund 65 Milliarden Euro aus ETS-2-Einnahmen einkommensschwache Haushalte entlasten. Wie Deutschland seinen Anteil verteilt, ist offen. Für Verbraucher bleibt 2027 damit ein Jahr mit stabilem CO2-Preis, bevor ab 2028 der Markt den Takt vorgibt.

Häufige Fragen

Wie teuer wird CO2 ab 2027?

2027 gilt ein Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne. Für Heizöl ergibt das beim Höchstwert rund 20,7 Cent pro Liter, für Erdgas rund 1,41 Cent pro Kilowattstunde, jeweils brutto.

Wie hoch steigt der CO2-Preis bis 2030?

Prognosen reichen von 80 bis 125 Euro pro Tonne. BloombergNEF erwartet für 2030 durchschnittlich 122 Euro, das FÖS bis zu 125 Euro, Agora Energiewende, DIW und Öko-Institut 80 bis 120 Euro.

Wie entsteht der CO2-Preis ab 2028?

Ab dem 1. Januar 2028 gilt der EU-ETS 2. Der Preis entsteht an der EEX durch Angebot und Nachfrage, ohne gesetzlichen Korridor. Eine Marktstabilitätsreserve greift unterhalb von 45 und oberhalb von 80 Euro.

Was ändert sich 2027 bei Heizungen?

Der CO2-Aufschlag bleibt auf dem Niveau von 2026. Beim Heizungstausch greift die 65-Prozent-Regel nach dem Beschluss vom Mai 2026 frühestens ab dem 1. November 2026, das geplante GModG könnte sie wieder kippen.

Was ist billiger, Heizen mit Gas oder Wärmepumpe?

Nach dem Heizspiegel 2026 kostete die Wärmepumpe 2025 im 130-Quadratmeter-Haus 1.260 Euro, Gas 2.040 Euro. Bei 20.000 Kilowattstunden Bedarf spart die Wärmepumpe 2026 rund 1.365 Euro im Jahr.

Was kommt 2027 auf Hausbesitzer zu?

Ein unveränderter CO2-Korridor, die mögliche 65-Prozent-Pflicht beim Heizungstausch und keine Förderung für neue Gasheizungen. Ab 2028 drohen mit dem ETS 2 deutlich höhere CO2-Kosten.