Beim Zusatzbeitrag der Krankenkasse 2027 deutet alles auf einen weiteren Anstieg hin. Unabhängige Prognosen von IGES-Institut, Bundesgesundheitsministerium und PKV-Verband liegen zwischen 3,3 und 3,7 Prozent, nach offiziell 2,9 Prozent im Jahr 2026. Den amtlichen Durchschnittswert gibt das Gesundheitsministerium voraussichtlich im November 2026 bekannt, nachdem der Schätzerkreis Mitte Oktober 2026 getagt hat. Bereits beschlossen ist, dass die Beitragsbemessungsgrenze 2027 auf 6.375 Euro im Monat steigt und die Zuzahlungen um die Hälfte zulegen.
Zusatzbeitrag 2026: Wo die Kassen derzeit stehen
Der amtliche durchschnittliche Zusatzbeitrag beträgt 2026 genau 2,9 Prozent. Das Bundesgesundheitsministerium machte den Wert am 10. November 2025 im Bundesanzeiger bekannt. Gegenüber 2025 mit 2,5 Prozent war das ein Plus von 0,4 Prozentpunkten und die stärkste Anhebung seit mehreren Jahren.
Zusammen mit dem allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent ergibt sich 2026 ein rechnerischer Gesamtbeitrag von 17,5 Prozent. Tatsächlich verlangen die Kassen im gewichteten Mittel schon mehr: Der Durchschnitt der real erhobenen Zusatzbeiträge liegt 2026 bei 3,13 Prozent.
Die Entwicklung ist steil. 2023 lag der durchschnittliche Zusatzbeitrag noch bei 1,5 Prozent. Bis 2026 hat er sich fast verdoppelt.
Zum Jahreswechsel 2025/26 erhöhten je nach Zählung 33 bis 47 Krankenkassen ihren Zusatzbeitrag. Mindestens 28 Millionen Beitragszahler waren betroffen. Die Spanne reicht 2026 von 2,18 Prozent bei der günstigsten bis 4,39 Prozent bei der teuersten Kasse.
Günstige und teure Kassen im Vergleich
Die Unterschiede zwischen den Kassen sind 2026 erheblich. Eine Auswahl bundesweit geöffneter Krankenkassen zeigt das:
| Krankenkasse | Zusatzbeitrag 2026 | Gesamtbeitrag |
|---|---|---|
| BKK firmus | 2,18 % | 16,78 % |
| hkk | 2,59 % | 17,19 % |
| Techniker Krankenkasse | 2,69 % | 17,29 % |
| DAK-Gesundheit | 3,2 % | 17,8 % |
| IKK classic (seit 1. August 2026) | 3,85 % | 18,45 % |
Die BKK firmus ist 2026 die günstigste bundesweit geöffnete Kasse und liegt 0,72 Prozentpunkte unter dem amtlichen Durchschnitt. Die Techniker Krankenkasse hob ihren Satz zum Jahresbeginn 2026 von 2,45 auf 2,69 Prozent an, die DAK-Gesundheit von 2,8 auf 3,2 Prozent.
Die IKK classic erhöhte mitten im Jahr. Zum 1. August 2026 stieg ihr Zusatzbeitrag von 3,40 auf 3,85 Prozent. Mitglieder konnten deshalb bis zum 31. August 2026 von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen.
Schätzerkreis und Prognose: Wird die Krankenkasse 2027 teurer?
Über den durchschnittlichen Zusatzbeitrag 2027 berät der GKV-Schätzerkreis. Ihm gehören Fachleute des Bundesgesundheitsministeriums, des Bundesamts für Soziale Sicherung und des GKV-Spitzenverbands an. Das Gremium tagt Mitte Oktober 2026 und schätzt Einnahmen und Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für das Folgejahr.
Die Ausgangslage ist angespannt. Die Ausgaben wachsen schneller als die Einnahmen, im ersten Quartal 2026 legten die Leistungsausgaben um rund acht Prozent zu. Für 2027 droht eine Finanzierungslücke von 18,8 Milliarden Euro. Das sind 3,5 Milliarden Euro mehr als zunächst erwartet.
Die Bundesregierung plant ein Stabilisierungspaket mit einem Entlastungsvolumen von 16,3 Milliarden Euro. Es schließt die Lücke nicht vollständig. Ohne die Reform hätte der Zusatzbeitrag 2027 nach Einschätzung von Fachmedien und Vergleichsportalen auf bis zu 3,9 Prozent steigen können. Die vorliegenden Prognosen sehen einen Korridor von 3,3 bis 3,7 Prozent.
Den amtlichen Wert gibt das Bundesgesundheitsministerium voraussichtlich im November 2026 im Bundesanzeiger bekannt. Er dient den Kassen als Orientierung. Welchen Zusatzbeitrag eine einzelne Kasse 2027 tatsächlich erhebt, entscheidet sie selbst.
GKV-Reform 2027: Was das Stabilisierungsgesetz ändert
Bundestag und Bundesrat haben das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz am 10. Juli 2026 beschlossen. Es stützt sich auf den ersten Bericht der FinanzKommission Gesundheit vom 30. März 2026. Die meisten Regeln gelten ab dem 1. Januar 2027, einzelne erst ab dem 1. Januar 2028. Die wichtigsten Punkte:
- Zuzahlungen steigen ab 2027 um 50 Prozent: mindestens 7,50 statt 5 Euro, höchstens 15 statt 10 Euro, im Krankenhaus 15 Euro pro Tag.
- Die Festzuschüsse für Zahnersatz sinken ab dem 1. Januar 2027 auf das Niveau vor dem 1. Oktober 2020. Der Eigenanteil steigt.
- Homöopathische und anthroposophische Arzneimittel dürfen ab 2027 nicht mehr als Satzungsleistung erstattet werden.
- Endet ein Arbeitsverhältnis während einer Krankschreibung, sinkt das Krankengeld ab 2027 auf 60 Prozent des Nettoentgelts, mit Kind auf 67 Prozent.
- Bei einer Teilrente von mehr als zwei Dritteln der Vollrente entfällt ab 2027 der Anspruch auf Krankengeld.
- Beitragsbemessungsgrenze und Versicherungspflichtgrenze werden 2027 einmalig um zusätzlich 300 Euro angehoben.
- Ab dem 1. Januar 2028 ist ein Beitragszuschlag von 2,5 Prozentpunkten für familienversicherte Ehe- und Lebenspartner vorgesehen. Ausgenommen sind Eltern mit Kindern bis 12 Jahre und Fälle von Pflege.
Beitragsbemessungsgrenze Krankenversicherung 2027 und JAEG
Das Bundeskabinett hat die Sozialversicherungs-Rechengrößen für 2027 am 7. Oktober 2026 beschlossen. Die Beitragsbemessungsgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung steigt auf 6.375 Euro im Monat beziehungsweise 76.500 Euro im Jahr. Bis zu diesem Einkommen werden Beiträge fällig, darüber nicht.
Der Sprung fällt mit rund 10 Prozent ungewöhnlich groß aus. Grund ist die Sondererhöhung von 300 Euro aus der GKV-Reform. Gutverdiener zahlen dadurch nach Angaben des Gesundheitsministeriums etwa 26 Euro mehr im Monat.
Auch die Versicherungspflichtgrenze, auch Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) genannt, steigt 2027 außerordentlich. Wer mehr verdient, kann in die private Krankenversicherung wechseln.
| Rechengröße | 2026 (monatlich) | 2027 (monatlich) | 2027 (jährlich) |
|---|---|---|---|
| BBG Kranken- und Pflegeversicherung | 5.812,50 € | 6.375,00 € | 76.500 € |
| Versicherungspflichtgrenze (JAEG) | 6.450,00 € | 7.012,50 € | 84.150 € |
| JAEG für bereits privat Versicherte | – | 6.712,50 € | 80.550 € |
| BBG Rentenversicherung | 8.450,00 € | 8.850,00 € | 106.200 € |
| Bezugsgröße | 3.955,00 € | 4.130,00 € | – |
Die niedrigere JAEG gilt für Angestellte, die am 31. Dezember 2026 versicherungsfrei und privat versichert waren. Sie sollen in der PKV bleiben können. Der Arbeitgeberzuschuss zur privaten Krankenversicherung steigt mit der höheren Bemessungsgrenze auf höchstens rund 520 Euro im Monat.
BBG 2027 Rente und was Rentner zahlen
Die Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung steigt 2027 auf 8.850 Euro im Monat, 2026 sind es 8.450 Euro. Sie gilt 2027 erstmals einheitlich für West und Ost.
Pflichtversicherte Rentner spüren jede Anhebung des Zusatzbeitrags direkt, denn er wird auch auf die Rente erhoben. Erhöht die eigene Kasse 2027, sinkt der Zahlbetrag der Rente entsprechend.
Freiwillig versicherte Rentner zahlen Beiträge mindestens auf eine fiktive Einnahme, die Mindestbemessungsgrundlage. Sie beträgt 2026 monatlich 1.318,33 Euro und steigt 2027 auf 1.376,67 Euro. Nach oben begrenzt die Beitragsbemessungsgrenze die Beiträge, 2027 also bei 6.375 Euro. Das betrifft vor allem Rentner mit hohen Zusatzeinkünften.
Sonderkündigungsrecht und Kassenwechsel
Erhöht eine Kasse ihren Zusatzbeitrag, dürfen Mitglieder außerordentlich kündigen. Das Recht gilt bis zum Ende des Monats, in dem der neue Beitrag erstmals fällig wird. Bei einer Anhebung zum 1. Januar 2027 läuft die Frist also bis zum 31. Januar 2027.
Eine Änderung ist wichtig: Seit Ende Juli 2026 müssen Kassen ihre Mitglieder nicht mehr gesondert über eine Erhöhung informieren. Das Sonderkündigungsrecht besteht dennoch. Die Verbraucherzentralen raten deshalb, den Beitrag der eigenen Kasse selbst im Blick zu behalten.
Der Wechsel selbst ist einfach. Sie müssen keine Kündigung schreiben, die neue Kasse erledigt alle Formalitäten. Danach sind Sie in der Regel zwölf Monate an die neue Kasse gebunden.
Wie es weitergeht
Die nächsten Schritte stehen fest. Mitte Oktober 2026 legt der Schätzerkreis seine Zahlen vor, im November 2026 folgt der amtliche Durchschnittswert für 2027. Danach legen die einzelnen Kassen ihre Sätze für 2027 fest.
Sicher ist bereits: Die höhere Bemessungsgrenze, die gestiegenen Zuzahlungen und der geringere Zuschuss zum Zahnersatz gelten ab Januar 2027 unabhängig vom Zusatzbeitrag. 2028 folgt mit dem Zuschlag für mitversicherte Partner die nächste Stufe der Reform.
Häufige Fragen
Wird die Krankenkasse 2027 teurer?
Sehr wahrscheinlich. Prognosen sehen den durchschnittlichen Zusatzbeitrag 2027 zwischen 3,3 und 3,7 Prozent, nach 2,9 Prozent 2026. Zudem steigen ab Januar 2027 die Zuzahlungen und die Beitragsbemessungsgrenze.
Wie hoch war die Beitragserhöhung für 2026?
Der amtliche durchschnittliche Zusatzbeitrag stieg von 2,5 Prozent 2025 auf 2,9 Prozent 2026, also um 0,4 Prozentpunkte.
Welche Krankenkasse ist 2026 die günstigste?
Unter den bundesweit geöffneten Kassen die BKK firmus mit 2,18 Prozent Zusatzbeitrag, gefolgt von der hkk mit 2,59 Prozent.
Wie hoch ist der Zusatzbeitrag bei der IKK classic?
Seit dem 1. August 2026 beträgt er 3,85 Prozent, zuvor 3,40 Prozent. Der Gesamtbeitrag liegt damit bei 18,45 Prozent.
Ab wann gilt ein neuer Zusatzbeitrag?
Ab dem Datum, das die Kasse festlegt, etwa zum 1. Januar 2027. Erhöhungen sind aber auch im laufenden Jahr möglich, wie bei der IKK classic zum 1. August 2026.
Wie hoch ist die freiwillige Krankenversicherung für Rentner?
Beiträge werden mindestens auf 1.318,33 Euro im Monat (2026) beziehungsweise 1.376,67 Euro (2027) berechnet und höchstens bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 6.375 Euro im Jahr 2027.





