Die Grippeimpfung für die Saison 2026/27 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranken jeden Alters, Schwangeren, Bewohnern von Pflegeheimen sowie medizinischem und pflegerischem Personal. Der beste Zeitraum liegt zwischen Oktober und Mitte Dezember 2026, denn der Schutz baut sich in etwa zwei Wochen auf. Für Menschen ab 60 rät die STIKO bevorzugt zu einem Hochdosis- oder einem verstärkten Impfstoff. Wer zu einer empfohlenen Gruppe gehört, zahlt als gesetzlich Versicherter nichts.
Grippeimpfung 2026/27: Für wen die STIKO sie empfiehlt
Die STIKO empfiehlt die jährliche Influenza-Impfung einem klar umrissenen Personenkreis. Dazu zählen nach dem Stand vom 10. September 2026:
- alle Personen ab 60 Jahren,
- Kinder ab sechs Monaten, Jugendliche und Erwachsene mit einer chronischen Grunderkrankung,
- Schwangere, in der Regel ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel,
- Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen,
- medizinisches und pflegerisches Personal.
Für gesunde Erwachsene unter 60 Jahren gibt es keine allgemeine Empfehlung. Wer sich trotzdem impfen lassen möchte, kann das mit der Arztpraxis oder der Apotheke besprechen. Auch für gesunde Kinder besteht 2026 keine generelle Empfehlung. Die STIKO prüft allerdings vorrangig, ob sie die Impfstrategie für Kinder und Jugendliche ausweitet.
Risikogruppen: Welche Grunderkrankungen zählen
Als chronische Erkrankungen im Sinne der Empfehlung gelten vor allem Leiden der Atemwege wie Asthma bronchiale und COPD. Hinzu kommen chronische Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus und andere Stoffwechselstörungen.
Auch Menschen mit chronischen neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose gehören dazu. Gleiches gilt für Personen mit angeborener oder erworbener Immunschwäche, einschließlich einer HIV-Infektion.
Schwangere haben bei einer Influenza ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe. Die STIKO empfiehlt ihnen die Impfung bereits seit 2010. Frauen mit einer chronischen Grunderkrankung können unabhängig vom Schwangerschaftsstadium geimpft werden. Die Impfung schützt die Schwangere direkt und das Neugeborene indirekt über mütterliche Antikörper. Auch Stillen spricht nicht gegen eine Impfung.
Wie ernst eine Grippe werden kann, zeigt die Statistik. In einer typischen Saison sterben in Deutschland laut Robert Koch-Institut (RKI) zwischen 5.000 und 8.000 Menschen an den Folgen. Die meisten Todesfälle betreffen ältere Menschen.
Der richtige Zeitpunkt: Oktober bis Mitte Dezember
Die STIKO rät, sich zwischen Oktober und Mitte Dezember impfen zu lassen. Die Grippewelle beginnt meist um den Jahreswechsel. Da der volle Schutz etwa zwei Wochen nach der Impfung erreicht ist, sollte bis dahin genug Zeit bleiben.
Die vergangene Saison verlief früher als üblich. Die Grippewelle 2025/26 begann laut RKI in Kalenderwoche 48 im Dezember 2025, erreichte in Kalenderwoche 2 Anfang Januar 2026 ihren Höhepunkt und endete nach rund 15 Wochen in Kalenderwoche 10 des Jahres 2026.
Wer den Termin verpasst, muss nicht verzichten. Ein häufiger Irrtum ist, dass sich die Impfung nach Mitte Dezember nicht mehr lohne. Das RKI rät ausdrücklich dazu, sie auch später in der Saison nachzuholen.
Die Saison 2025/26 in Zahlen
Die Bilanz der jüngsten Grippesaison verdeutlicht die Belastung für Kliniken und ältere Menschen. Zugleich bleibt die Impfquote in der wichtigsten Zielgruppe niedrig.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Laborbestätigte Influenzafälle 2025/26 | 236.853 |
| davon mit Klinikaufenthalt | 63.249 (rund 27 %) |
| gemeldete Todesfälle 2025/26 | 2.113 |
| Anteil der Todesfälle bei über 60-Jährigen | 96 % |
| Impfquote ab 60 Jahren, Saison 2024/25 | 34 % |
Das RKI wertet die Impflücken bei Älteren als strukturelles Risiko für kommende Saisons. Nach einer Studie aus dem Jahr 2017 verhindert die Grippeimpfung in Deutschland bei Menschen über 60 schätzungsweise rund 400.000 Erkrankungen pro Jahr.
Hochdosis-Impfstoff ab 60: Warum Ältere einen anderen Impfstoff bekommen
Mit zunehmendem Alter reagiert das Immunsystem schwächer auf Impfungen. Fachleute sprechen von Immunoseneszenz. Die STIKO empfiehlt Menschen ab 60 deshalb bevorzugt einen von zwei Impfstoffen: den Hochdosis-Impfstoff Efluelda oder den mit dem Wirkverstärker MF-59 versehenen Impfstoff Fluad. Beide gelten als gleichwertige Optionen.
Efluelda enthält die vierfache Antigenmenge eines Standardimpfstoffs. Beide Präparate zeigten bei älteren Menschen in Studien eine deutlich bessere Wirksamkeit als Standardimpfstoffe. Sicherheitsbedenken ergaben sich in den klinischen Prüfungen nicht.
Wie viel die Impfung im Alter bewirkt, rechnet das RKI an einem Beispiel vor. Bei einer mittleren Wirksamkeit von 41 Prozent erkranken von 100 geimpften älteren Erwachsenen etwa sechs an Grippe, von 100 ungeimpften dagegen zehn. Einen vollständigen Schutz bietet die Impfung also nicht, sie senkt aber das Risiko spürbar.
Die Impfstoffe der Saison 2026/27
Für die Saison 2026/27 stehen in Deutschland acht verschiedene Grippeimpfstoffe zur Verfügung. Alle sind trivalent und richten sich gegen drei Virusvarianten: Influenza A(H1N1)pdm09, A(H3N2) und ein Virus der B-Victoria-Linie. Alle drei Stämme wurden gegenüber der Vorsaison ausgetauscht. Grundlage ist die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation für die Nordhalbkugel.
Vierfach-Impfstoffe sind nicht mehr nötig. Die WHO empfiehlt seit der Saison 2024/25 nur noch trivalente Präparate, weil die B-Yamagata-Linie seit März 2020 nicht mehr nachgewiesen wurde.
Einige Präparate haben besondere Einsatzgebiete. Fluenz von AstraZeneca ist der einzige Lebendimpfstoff auf dem deutschen Markt und als Nasenspray für Kinder und Jugendliche von 2 bis 17 Jahren zugelassen. Flucelvax von CSL Seqirus wird in Zellkulturen hergestellt und enthält kein Hühnereiweiß. Vaxigrip ist der einzige Grippeimpfstoff, der ausdrücklich für die Schwangerschaft zugelassen ist.
Bei der Auslieferung im September 2026 gab es Unterschiede. Fluad und Flucelvax wurden bereits seit Wochen geliefert, auch Efluelda war in den Apotheken angekommen. Bei Vaxigrip kam es zu Verzögerungen.
Nebenwirkungen und wann nicht geimpft wird
Der Grippeimpfstoff gilt als gut verträglich. Häufig treten vorübergehend leichte Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle auf. Fieber, Frösteln, Müdigkeit sowie Kopf-, Muskel- oder Gliederschmerzen klingen meist innerhalb von ein bis zwei Tagen folgenlos ab.
Bei Hochdosis- und verstärkten Impfstoffen kommen solche Reaktionen etwas häufiger vor als bei Standardpräparaten. Sie bleiben laut RKI aber meist mild und gehen von selbst zurück. Eine Grippe können Totimpfstoffe nicht auslösen, da sie keine vermehrungsfähigen Viren enthalten.
Wer Fieber ab 38,5 Grad oder eine schwerere akute Infektion hat, sollte die Impfung verschieben und sie so bald wie möglich nachholen. Menschen mit einer schweren Hühnereiweiß-Allergie sollten die Impfung mit ihrem Arzt besprechen. Das Nasenspray Fluenz kann eine verstopfte oder laufende Nase verursachen und ist bei Immunschwäche und schwerem Asthma nicht geeignet.
Kosten und wo Sie sich impfen lassen können
Für gesetzlich Versicherte aus einer der empfohlenen Gruppen übernimmt die Krankenkasse die Kosten vollständig, eine Zuzahlung fällt nicht an. Einige Kassen zahlen die Impfung als freiwillige Satzungsleistung auch für Versicherte ohne STIKO-Empfehlung. Es lohnt sich, bei der eigenen Kasse nachzufragen.
Geimpft wird in Arztpraxen, beim Betriebsarzt und in dafür qualifizierten Apotheken. Apotheken impfen Erwachsene ab 18 Jahren. Seit dem 1. September 2026 erhalten sie dafür ein Honorar von 11,00 Euro statt bisher 10,68 Euro, plus 0,99 Euro für Verbrauchsmaterial und die Kosten des Impfstoffs. Grundlage ist ein Vertrag zwischen Apothekerverband und GKV-Spitzenverband vom Oktober 2025.
Gleichzeitig mit Corona-, RSV- und Pneumokokken-Impfung
Nach Angaben der STIKO können Grippe-, Corona-, RSV- und Pneumokokken-Impfung am selben Termin verabreicht werden, sofern jeweils eine Empfehlung besteht. Die Spritzen werden dann an verschiedenen Gliedmaßen gesetzt, etwa die Grippeimpfung links und die Corona-Impfung rechts.
Bei gleichzeitiger Gabe von Grippe- und Corona-Impfstoff können Impfreaktionen etwas häufiger auftreten, vor allem Schmerzen an der Einstichstelle, Fieber oder Müdigkeit.
Wichtig für die Planung: Die STIKO hat die Corona-Empfehlung im Juli 2026 geändert. Eine jährliche Auffrischung empfiehlt sie nun erst ab 75 Jahren statt bisher ab 60. Die Corona-Impfung soll möglichst im Spätsommer oder Frühherbst erfolgen, kann laut RKI aber während der Saison nachgeholt werden.
Häufige Fragen
Wann sollte man sich gegen Grippe impfen lassen?
Am besten zwischen Oktober und Mitte Dezember. Der Schutz ist nach etwa zwei Wochen aufgebaut. Eine spätere Impfung in der Saison ist laut RKI weiterhin sinnvoll.
Wer sollte sich 2026 gegen Grippe impfen lassen?
Laut STIKO Menschen ab 60, chronisch Kranke, Schwangere, Pflegeheimbewohner sowie medizinisches und pflegerisches Personal.
Was kostet die Grippeimpfung?
Für gesetzlich Versicherte mit STIKO-Empfehlung nichts. Manche Kassen übernehmen die Kosten freiwillig auch für Versicherte ohne STIKO-Empfehlung.
Welcher Grippeimpfstoff ist ab 60 Jahren empfohlen?
Bevorzugt der Hochdosis-Impfstoff Efluelda oder der verstärkte Impfstoff Fluad. Die STIKO stuft beide als gleichwertig ein.
Kann man Grippe- und Corona-Impfung zusammen bekommen?
Ja, am selben Termin und an verschiedenen Armen. Impfreaktionen können dabei etwas häufiger auftreten.
Kann die Grippeimpfung eine Grippe auslösen?
Nein. Die per Spritze gegebenen Impfstoffe sind Totimpfstoffe und können keine Infektion verursachen. Vorübergehende Beschwerden wie Müdigkeit oder leichtes Fieber sind Impfreaktionen.





